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Inferno Triathlon 20. August 2005
Thun - Oberhofen - Grindelwald - Stechelberg - Mürren - Schilthorn

Single Athlet am Inferno Triathlon
Erlebnisbericht des Unisportschwimmer Martin Jutzi

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Martin Jutzi nahm am Mystery Inferno Triathlon vom 20. August 2005 teil.Mystery Inferno Triathlon 2005
Single Athlet

Martin Jutzi

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Das ist verrückt!

 

Bern, den 3. Oktober 2005

Liebe Schwimmfreunde

Der Mystery-Inferno Triathlon: Insgesamt ca. 150 km und 5500 Höhenmeter, mein erster Ausdauerwettkampf in dieser Grössenordnung und mein erster Triathlon überhaupt. Genau diese Tatsachen lassen mich am Abend vor dem Wettkampf beim Versuch einzuschlafen zum eindeutigen Schluss kommen:

Das ist verrückt!

Die aufkommende Panik gelingt es mir mehr oder weniger erfolgreich zu verdrängen indem ich mich daran erinnere, dass ich ja für dieses Vorhaben viel trainiert habe. Im letzen halben Jahr vor dem Inferno betrug mein Trainingsumfang zwischen 8-15 Stunden pro Woche: Rennvelo fahren, Biken, Laufen und Schwimmen.

Am nächsten Morgen werde ich um 04.15 vom Wecker aus dem unruhigen Schlaf gerissen.

Ich bin sofort hellwach, erstaunlich wenig nervös und zuversichtlich, den bevorstehen Tag heil zu überstehen.Inferno 2005: Massenstart der Schwimmerinnen und Schwimmer auf der Schwimmstrecke von Thun nach Oberhofen
Ich vermeide es aber, an das ganze Tagesprogramm mit dem Schilthorn als krönendem Abschluss zu denken und stelle mich darauf ein, einfach mal durch den Thunersee zu schwimmen. Der kleine Rest kommt dann später.

 

06.30 Uhr: (Schwimm-)Start. Nach einer ziemlich hektischen Anfangsphase finde ich schnell meinen Rhythmus und auch das 17°C kalte Wasser fühlt sich, dem Neoprenanzug sei dank, erstaunlich angenehm an. Das Schwimmen verläuft problemlos, einzig ganz am Schluss dauert es ziemlich lange bis das schon fast erreicht geglaubte Ufer endlich unter meinen Füssen liegt. Mit der Schwimmzeit von knapp einer Stunde bin ich als relativ langsamer Schwimmer sehr zufrieden. Die ca. 10 Minuten, welche ich für das Inferno 2005: Wechselzone in Oberhofen vor der Road-Biking-Streckedarauf folgende Umziehen in der Wechselzone brauche, sind aber nicht gerade rekordverdächtig schnell... Das Wetter hält sich bisher gemäss den insgesamt sehr schlechten Wetterprognosen: Es regnet zwar noch nicht (was ich vor allem beim Umziehen sehr geschätzt habe), die Sonne ist aber auch nicht zu sehen und es ist entsprechend kühl.

 

Nach dem Schwimmen geht es nun weiter mit dem Rennvelo. Das Einfahren beschränkt sich auf die ersten paar hundert Meter, danach gehts steil hinauf Richtung Beatenberg (1150 m). Weiter führt die Strecke dann via Interlaken nach Meiringen wo der Aufstieg zur Grossen Scheidegg folgt. Bis hier läuft es mir auf dem Rennvelo sehr gut und das bleibt auch auf dem ersten Teil des Aufstieges so.

In der zweiten Hälfte setzt dann der (ziemlich kalte) Regen ein und ungefähr gleichzeitig gerate ich in die erste kleine Krise in diesem Rennen.

Obwohl ich mich auf dem flachen Teil der Radstrecke zwischen Interlaken und Meiringen reichlich verpflegt habe, scheine ich plötzlich nahe an einem Hungerast zu sein. Dies wirkt sich (wie schon öfters erfahren) sehr negativ auf meine Stimmung aus. Nicht eben motivationsfördernd beginne ich zudem an die noch bevorstehenden Kilo- bzw. Höhenmeter zu denken und das Ziel auf dem Schilthorn erscheint mir auf einmal unendlich weit entfernt zu sein.

Dank dem bei einem Verpflegungsposten eingepackten Isostar-Gel und der Konzentration auf mein nächstes Etappenziel (Passhöhe), erreiche ich dann aber doch schneller als befürchtet die Grosse Scheidegg (1960 m).

Inferno 2005: Wechselzone in Grindelwald Grund vor der Mountain-Biking-Strecke
Die folgende Abfahrt wird aufgrund der Temperaturen von knapp über 0°C eine ziemlich kalte Angelegenheit. Unten in Grindelwald (1030 m) gibts aber dann ganz überraschend ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Ich fühle mich wieder viel besser.

Nach dem Tausch des Rennrads gegen das Mountainbike folgt nun der Aufstieg auf die Kleine Scheidegg (2060 m).

Inferno 2005: Velopark in Grindelwald GrundDie Sonnenstrahlen begleiten mich nur die ersten paar Minuten und weichen dann ziemlich schnell immer dunkler werdenden Wolken. Trotz den äussern Umständen und den ca. 5.5 Stunden, die ich nun unterwegs bin, halten sich die Ermüdungserscheinungen noch in Grenzen und ich komme relativ gut voran (wobei 'voran' auch hier gleichbedeutend ist wie 'hinauf').

Oben auf der Kleinen Scheidegg ist es so kalt, dass ich als erstes meine (leider nur sehr dünne) Windjacke überziehe.

Nach dem Auffüllen (d.h. Austauschen) der leeren Bidons und dem Einpacken mehrerer Energieriegel gehts nun hinunter Richtung Lauterbrunnen. Kaum bin ich oben losgefahren beginnts auch schon in Strömen zu regnen. Die Abfahrt wird entsprechend nass und bitterkalt, immerhin ist aber im oberen Teil der Geröllweg einigermassen gut befahrbar. Dies ändert sich weiter unten aber schlagartig: Der weiche Untergrund wurde von den vor mir liegenden (Team-)Fahrern in tiefen Morast verwandelt.

So bin ich (nach 11/2 Stürzen, die glücklicherweise glimpflich verliefen) froh, als ich endlich in Lauterbrunnen ankomme und jetzt nur noch die (fast ) flache Strecke nach Stechelberg vor mir liegt.

Inferno 2005: Dauerregen in Stechelberg
Dieses letzte Stück der Mountainbike-Strecke nütze ich aus, um wieder etwas Nahrung in Form von Riegeln zu mir zu nehmen. Ausserdem ist es nun an der Zeit, mich auf die nun noch folgende Laufstrecke von Stechelberg (860 m) auf das Schilthorn (2970m) einzustellen.

In der Wechselzone unterläuft mir dann ein Missgeschick, welches meine mangelnde Triathlonerfahrung offenbart: Nachdem ich schon ca. 50m gelaufen bin, stelle ich fest, dass ich ja gar keine Startnummer mehr trage.

Inferno 2005: Wechselzone in Stechelberg vor der Laufstrecke
Das bedeutet nochmal zurück zur Wechselzone, die Startnummer, welche irgendwie in den Kleidersack gelangt ist, montieren und dann wieder losrennen.


Die ersten 5 km der Laufstrecke führen zurück nach Lauterbrunnen und sind deshalb relativ flach: hier geht das Laufen noch ziemlich locker. Ab Lauterbrunnen wirds dann aber abrupt steil. Das Laufen ist nun entsprechend anstrengend und in meinen Beinen machen sich die bisher zurückgelegten Kilometer immer stärker bemerkbar.

Nach ca. einer Stunde Aufstieg reichen meine Kräfte nur noch für ein schnelles Gehen. Ich versuche zwar, zwischendurch etwas zu Laufen, doch diese Versuche werden immer kürzer.

Inferno 2005: Aufstieg nach Mürren im Nebel
Irgendwie schaffe ich es aber trotzdem bis auf die Grütschalp (1490 m), von wo nun wieder ein paar mehr oder weniger flache Kilometer nach Mürren folgen.


Ich habe mir in der Zwischenzeit überlegt, wie lange ich jetzt noch bis zum Schilthorn brauchen würde, ohne noch einen Meter zu laufen.

Die Antwort ist einfach: zu lange! Somit versuche ich nun, wenigstens auf der jetzt relativ flachen Strecke wieder zu laufen. Erstaunlicherweise geht das kurz vor Mürren ziemlich plötzlich wieder viel besser, so dass ich einigermassen locker in Mürren einlaufe.

Das ist wichtig, denn all die Zuschauer und meine Betreuer die hier warten sollen ja nicht den Eindruck erhalten, ich sei schon total erschöpft...

Während die Teamläufer in Mürren (1640 m) ins Ziel einlaufen, gehts für die Singles nun weiter hinauf Richtung Schilthorn. Bis zum Gipfel sind es zwar nur noch rund 8 km, dabei sind aber auch noch die restlichen 1330 Höhenmeter zu bewältigen. Jetzt wird es also richtig steil, an vielen Stellen zu steil um überhaupt ans Laufen zu denken

Meine Verfassung ist aber erstaunlicherweise wieder so gut, dass ich die nicht allzu steilen Partien laufend zurücklegen kann.

Trotzt dieser erfreulichen Tatsache benötige ich jeweils ungefähr eine Viertelstunde von einer Kilometertafel zur nächsten.

Etwa im gleichen Abstand folgen nun auch die Verpflegungsposten wo ich mich jeweils mit Bouillon, Brot, Schokolade und Cola verpflege (im Nachhinein erstaunt es mich, dass mein Magen überhaupt nicht gegen diese Kombination protestierte...).

Etwa in der Hälfte der Strecke zwischen Mürren und Schilthorn geht der Regen, der mich mehr oder weniger auf der gesamten Laufstrecke begleitet hat, endlich(!) in Schnee über. Die Sicht ist nun sehr eingeschränkt und da der Abstand zwischen den einzelnen Läufern mehrere Hundert Meter beträgt, befinde ich mich jetzt meistens mutterseelenallein im Schneetreiben auf dem Weg zum Schilthorn. Inferno 2005: Aufstieg zum Schilthorn im SchneegestöberTrotz (oder gerade wegen) diesen speziellen äusseren Bedingungen ist meine Stimmung jetzt ausgezeichnet. Dazu trägt sicher auch die Gewissheit bei, dass ich es bald geschafft haben werde.

So wird vor allem diese letzte Stunde des Infernos zu einem unvergesslichen Erlebnis.

18.11 Uhr: Ich lege die letzten Stufen auf die Schilthornplattform zurück und laufe nach 11 Stunden und 41 Minuten müde aber glücklich durch das Ziel.

Martin Jutzi


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Comments: Jürg und Sandra Baumeister-Zarro