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Inferno Triathlon 23. August 2008
Thun - Oberhofen - Grindelwald - Stechelberg - Mürren - Schilthorm

Single Athlet am Inferno Triathlon
Erlebnisbericht des Schwimmers Markus Righetti

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Markus RighettiMarkus Righetti als Single Triathlet am Inferno Triathlon 2008

Erlebnisbericht Markus Righetti, Nr. 273, Single-Triathlet am Inferno Triathlon 2008.

. . . nur noch ein paar Meter und ich habe es nach 12 Stunden und 46 Minuten geschafft. Ich bin Inferno 2008 Finisher ! ! !

Markus Righetti macht zum ersten Mal als Single-Triathlet den Inferno Triathlon von Thun aufs Schilthorn.

Inferno Triathlon 2008: Thunersee Inferno Triathlon 2008: Thunersee Inferno Triathlon 2008: Thunersee

Solange ich Schwimmer rechts und links sehe, muss die Richtung einigermassen stimmen!

Der 23. August rückt unaufhaltsam näher, und schon Tage vorher fange ich an, das Wetter zu beobachten. Bereits anfangs  Woche zeichnet sich für den Samstag eher schlechtes Wetter ab. Ändern kann ich eh nichts, und ich konzentriere mich darauf genug zu schlafen, zu trinken und möglichst viele Teigwaren zu essen. Unterstützt mit kohlenhydrathaltigen Drinks praktiziere ich ein gezieltes „Carbo-Loading“.

Ein, zwei Tage vor dem grossen Tag macht sich ein erstes Kribbeln bemerkbar, welches sich am Freitag leicht verstärkt, als wir zu sechst die Velos und Kleidersäcke in den Wechselzonen von Oberhofen und Grindelwald deponieren.

Inferno Triathlon: Wechselzone in Oberhofen

Ich kann kurz nach 22 Uhr erstaunlich  gut einschlafen und werde von sanfter Musik um 4:15 Uhr geweckt. Zu meiner grossen Überraschung höre ich keinen Regen, und draussen ist es trocken. Also nichts mit dem grossen Regen?

Inferno Triathlon 2008: Schloss OberhofenSamstag, 23. August 2008 um 5.30 Uhr in Thun am Strandbad.

Nach zwei Schüsseln Müesli (Teigwaren hatte ich die letzten Tage genug gefuttert) mache ich mich mit dem Velo auf den Weg. Wir treffen uns beim Ziegelei-Kreisel und fahren zu Dritt zum Strandbad Thun. Das Rennfieber macht sich klar bemerkbar. Jetzt ab in den Neoprenanzug. Zuerst trage ich etwas Vaseline an möglichen Reibstellen auf.

Erst am Schluss sind noch Hände und Füsse an der Reihe. Das stellt sich als nicht sehr clever heraus, denn mit den eingeschmierten Händen ist es nicht einfach, die zwei Badekappen und die Brille anzuziehen.

Auf dem Weg zum Start knipsen meine Eltern ein erstes Foto. Und dann geht’s ab ins Wasser. Das Wetter scheint uns gut gesinnt und der Himmel zeigt sich mit vielen blauen Abschnitten. Ich setze die Brille auf und der Countdown läuft.

Der Startschuss erfolgt und die Masse läuft los. Richtig gelesen: aufgrund des seichten Wassers laufen die meisten bis weit hinaus, es kommt mir vor wie mehrere hundert Meter.

Inferno Triathlon 2008: Schwimmstrecke von Thun nach Oberhofen

Als es los geht mit Schwimmen bekomme ich kaum Luft, obwohl ich nach jedem zweiten Armzug atme. Endlich lichtet sich das Feld etwas. Ich spüre nicht mehr die Füsse und den Atem der Schwimmer vor und neben mir und finde endlich zu meinem Rhythmus.

Leider beschlägt sich meine Brille mit jedem Meter mehr, und schon bald sehe ich kaum mehr den Schwimmer rechts und links neben mir. Ich muss stoppen und die Brille ausspülen und dieses Prozedere noch drei weitere Mal durchführen. Deshalb kann ich immer nur ganz kurze Zeit das Schloss von Oberhofen sehen, das zur Orientierung dient. Solange ich Schwimmer rechts und links sehe, muss die Richtung einigermassen stimmen. Am Schluss bin ich dann doch etwas zu weit rechts aussen und werde von einem Boot darauf hingewiesen, dass ich stark links schwimmen muss. Wieder an Land laufe ich zuerst ein paar Meter, doch die vielen Zuschauer animieren mich zu laufen, was sich schon etwas komisch anfühlt.

Markus Righetti am Inferno Triathon 2008Beim Umziehen habe ich so meine Mühe mit den feuchten Füssen in die Dreiviertel-Velohose und in die Socken zu kommen. Da es nicht wie vorausgesagt regnet, stellt sich die Frage, was ich anziehen, was mitnehmen und was im Sack lassen soll.

Fertig angezogen und etwas gestärkt renne ich mit dem Rennvelo aus der Wechselzone und schwinge mich auf den Sattel. Ein paar Meter hinauf und ein paar Meter hinunter und schon geht es in den ersten steilen Aufstieg. Ich finde sofort wieder meinen Rhythmus und habe keine Probleme mit der Umstellung vom Schwimmen aufs Velofahren.

Ich geniesse die Fahrt mit dem Blick auf den Thunersee, den Niesen und das herrliche Bergpanorama.

Das Gleiche gilt für die Fahrt von Interlaken nach Meiringen, wo mir mein Betreuer-Team, meine Frau und meine Eltern, mehrmals vom Strassenrand zujubeln. Fast den ganzen Weg fahre ich neben oder hinter Beno Frey, Startnummer 140. Anfangs Steigung Richtung Grosse Scheidegg überhole ich Beno, wobei er mir ein gutes Rennen wünscht, da er nicht damit rechnet mich wieder zu sehen. Doch ich muss etwas Tempo zurücknehmen und werde bei Rosenlaui wieder von Beno ein- und überholt. Nach etwas Erholung und Verpflegung auf dem flachen Stück bis Schwarzwaldalp geht es in das mit 17 Steigungsprozenten steilste Teilstück.  Da heisst es zwei, drei Minuten auf die Zähne zu beissen und an die „angenehmen“ 13 Steigungsprozente zu denken, die danach folgen. Das Wetter ist immer noch gut und mit dem Blick auf die herrliche Bergkulisse lassen sich die letzten Höhenmeter leicht überwinden.

Markus Righetti am Inferno Triathon 2008Oben auf der grossen Scheidegg kommt ein erstes Glücksgefühl auf, im Bewusstsein, dass noch nicht die Hälfte geschafft ist! Kurz verpflegt und mit einer Jacke ausgerüstet stürze ich mich in die Abfahrt nach Grindelwald.  In Grindelwald nehme ich mir erneut viel Zeit in der Wechselzone. Ich ziehe mich teilweise um, verpflege mich und nehme mir auch Zeit für einen Schwatz mit meinem Betreuer-Team.

So kommt es, dass mich mein Nachbar überholt, der fünf Minuten nach mir in die Wechselzone gekommen ist.

Mein Nachbar ist es übrigens, der mich zum Inferno-Triathlon gebracht hat und selber schon das vierte Mal dabei ist.

Ich steige ihm nach, und wie bereits im Anstieg zur Grossen Scheidegg habe ich am Anfang des Aufstiegs zur Kleinen Scheidegg gute Beine. Ich gebe Gas und überhole meinen Nachbarn - auch einen Markus - und nehme ihm gleich einige Meter ab.  Nach ca. 200 Höhenmetern muss ich aber bereits wieder Tempo wegnehmen.

Markus Righetti am Inferno Triathon 2008

Markus Righetti am Inferno Triathlon 2008: Mountain Bike Strecke

Mit dem Gefühl von leeren Beinen, geplagt von Bauchschmerzen muss ich nach ca. 400 Höhenmetern für einen kurzen Moment austreten. Ich lasse mir auch etwas Zeit, um mich mit Gel zu verpflegen. Nach dieser ersten Krise finde ich wieder den Rhythmus und schon bald überhole ich Markus.  Kurz vor der Laufpassage schliesst Markus auf und wir bewältigen die letzten Meter bis zur Kleinen Scheidegg nebeneinander. Oben angekommen treffe ich erneut auf Beno.

Ich fühle mich immer noch gut und das Gefühl, es bis hierher geschafft zu haben, ist bereits überwältigend. Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit stark verschlechtert und während der Abfahrt beginnt es immer stärker zu regnen. Gewisse Stellen durch den Wald und  auf den Wanderwegen sind ziemlich rutschig. Es braucht höchste Konzentration. Da ich der geübtere Abfahrer bin, kann ich gegenüber Markus wieder etwas Vorsprung herausfahren. Erneut lasse ich mir genügend Zeit in der Wechselzone in Stechelberg. Dazu gehört auch das Berichten meinem Betreuer-Team gegenüber, als Dankeschön für ihre Begeisterung und tolle Unterstützung.

Markus Righetti am Inferno Triathon 2008Während des Laufs nach Lauterbrunnen hört der Regen für eine kurze Zeit auf. Mit der Jacke wird es mir doch etwas warm und ich binde sie mir um. Schon bald fängt es wieder an zu regnen , und das bleibt die nächsten vier Stunden bis zum Ziel so. Eingangs Steigung von Lauterbrunnen nach Mürren überholt mich Markus und lässt mich gleich stehen, da ich schon nach wenigen Metern anfange zügig zu gehen. Ich laufe bis Grütschalp, wo ich mich nochmals etwas verpflege und auch wieder auf Beno treffe.

Von hier geht es wellblechartig auf und ab. Beim Versuch zu laufen schmerzt mich mein linkes Knie, welches ich bereits kurz vor der Kleinen Scheidegg auf dem MTB zu spüren begann. In den Steigungen muss ich immer wieder gehen. Je näher  an Mürren, desto regelmässiger und flacher wird der Weg, so dass ich wieder durchgängig laufen kann. Es braucht aber grosse Überwindung, wieder zu laufen und Kilometer 13 und 14 wollen nicht werden. Ab Kilometer 14 bis Mürren komme ich wieder gut voran, zumindest erscheint mir das so.

In Mürren angekommen, werde ich von meinem Betreuer-Team empfangen. Ich erfahre, dass das Ziel wegen des schlechten Wetters vom Schilthorn hinunter auf die 300 m tiefer gelegene Birg versetzt wurde. Ich ziehe mich nochmals komplett um und zwar lange Hosen, vier Schichten oben, Kappe, Handschuhe, trockene Socken und andere Schuhe.

Ich schnalle mir noch den Trinkrucksack um und stapfe weiter Richtung Schilthorn bzw. Birg. Zum Glück spüre ich beim Hochlaufen keine Schmerzen im Knie und finde bald einen guten, nicht mehr allzu schnellen Rhythmus. Ich mache jeweils kurze Pausen an den Verpflegungsposten, ansonsten laufe ich stetig dem Ziel entgegen. In Mürren hatte ich noch etwas warm, doch je höher im komme, desto froher bin ich über meine vier Schichten, denn der Wind wird immer heftiger und ungemütlicher. Nochmals geht es etwas runter in eine Mulde, dann ein-, zweihundert Meter flach und hinein in die letzte Steigung.

Markus Righetti am Inferno Triathon 2008Schon bald kann ich das Ziel sehen, nur noch ein paar Meter und ich habe es nach 12 Stunden und 46 Minuten geschafft. Ich bin Inferno 2008 Finisher! ! !

Obwohl das Ziel nicht auf dem Schilthorn ist, freue ich mich genau so sehr über das Erreichte. Beim Ziel werde ich von meinem Vater erwartet, dann kommt mir auch meine Frau entgegen. Zusammen laufen wir die letzten 70 Höhenmeter zur Seilbahnstation Birg. Immer noch in meinem Trott laufe ich diese letzten Meter weiter zügig.  Noch nicht oben angekommen, reicht mir mein Vater das Handy. Meine Schwester ist dran, um mir zu gratulieren und wundert sich, dass ich nicht völlig ausser Atem klinge.

Lange halten wir uns nicht auf der Birg auf, da es nur einen kleinen Raum hat, in dem ich mich schnell umziehe. Mit der Seilbahn machen wir uns auf den Rückweg. In Stechelberg angekommen müssen wir die Kleidersäcke und die Velos fassen und ein- und aufladen. Ich verspüre Lust auf eine Pizza und so kehren wir in Lauterbrunnen in eine Pizzeria ein. Die Pizza ist gross und mein Appetit bereits wieder voll da.

Zu Hause brauche ich Zeit um die Gedanken zu ordnen. Obwohl ich erschöpft und müde bin, gehe ich nicht direkt ins Bett. Einschlafen und Schlafen kann ich danach gut. Am Sonntag schmerzt mich noch etwas mein linkes Knie, ansonsten habe ich kaum Beschwerden und kann auch problemlos Treppen steigen. Das gilt auch für den Montag, wobei es in den Beinen etwas mehr zieht. Als Muskelkater würde ich das nicht bezeichnen, doch die Beine sind schwer, sehr schwer.

Es braucht noch Tage, um die Eindrücke und das Geleistete zu verarbeiten und richtig einzuordnen. Für mich war es ein durchwegs schönes Erlebnis, und ich habe nur gute Erinnerungen. Natürlich geniesse ich auch die vielen Gratulationen und erzähle immer wieder gerne das Erlebte.

Markus Righetti


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Comments: Jürg und Sandra Baumeister-Zarro